VANHAL, Johann Baptist (1739–1813)

Kurzbiographie:

Der aus dem östlichen Böhmen stammende Bauernsohn erhielt ersten Musikunterricht zu Hause und bei lokalen Musikanten. Schon früh tat er sich auf der Violine und er Orgel hervor. Er erwarb sich in seiner Heimat bald den Ruf eines guten Musikers und verdiente seinen Unterhalt als Dorforganist und Chorleiter. Im Gefolge seiner Dienstherrin, der Gräfin Schaffgotsch, kam er 1760 nach Wien. Hier soll er bei Carl Ditters von Dittersdorf eine Zeit lang studiert haben, bevor er sich als Gesang- und Instrumentallehrer und Komponist einen Namen in Wien machte. Zwischen 1769 und 1771 unternahm Vanhal eine Italienreise, um die italienische Kompositionsweise zu erlernen. Die in jener Zeit entstandenen Opern sind verschollen. Sein besondere Begabung lag jedoch ohnehin im Bereich der Instrumentalmusik. Er war nicht nur ein außerordentlich fruchtbarer Komponist (allein 100 Quartette und 73 Symphonien), sondern galt neben Haydn und Mozart als der führende Komponist der Zeit. Bereits 1772 schrieb Charles Burney: »Vanhals Sinfonien [sind] unter die besten und vollkommensten Kompositionen für viele Instrumente zu zählen, worauf die musikalische Kunst stolz sein kann.«. Darunter sind auffallend viele dramatisch aufgeladene Werke in Molltonarten zu finden, die stilbildend für den so genannten »Sturm und Drang Stil« waren. Vanhals Symphonien spielte man in ganz Europa und selbst in den englischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent. Michael Kelly überliefert die Anekdote, nach der sich Vanhal, Mozart, Haydn und Dittersdorf trafen, um gemeinsam eines von Vanhals Quartetten zu spielen. Nach 1780 wandte sich Vanhal zunehmend der Komposition von Klavierwerken und Kirchenmusik und der pädagogischen Tätigkeit zu. Er gilt als einer der ersten Komponisten, der als freischaffender Künstler vom Erlös seiner Werke lebte.

Rondo A-dur
[Russische Klavierschule Band II SIK 2354, Nr. 50, S. 66]