SCHEBALIN, Wissrion

Kurzbiographie:

Nach erstem Kompositionsunterricht in seiner Heimatstadt Omsk begann Schebalin im Jahr 1923 ein Kompositionsstudium am Moskauer Konservatorium in der Klasse von Nikolai Mjaskowski. Nach seinem Studienabschluss wurde er 1928 als Lehrer am Konservatorium übernommen, wurde 1935 zum ordentlichen Professor für Komposition berufen und avancierte schließlich 1942 zum Direktor des berühmten Instituts. Im Zusammenhang mit der vom damaligen sowjetischen Kulturminister Schdanow initiierten Kampagne gegen unliebsame Kulturschaffende wurde er als »Formalist« angeklagt und - obgleich er sich mit Denunziationen selbst daran beteiligte - seiner Ämter enthoben. Nachdem er mit Dirigierunterricht am Institut für Militärmusik seinen Lebensunterhalt verdient hatte, durfte er 1951 seine Professur am Moskauer Konservatorium wieder aufnehmen. Zwei Jahre darauf erlitt er einen Schlaganfall, der in fortan zwang mit links zu schreiben, was seiner Produktivität als Komponist jedoch nichts anhaben konnte. Seit den 1920er Jahren war er in enger Freundschaft mit Dmitri Schostakowitsch verbunden, die sich im intensiven Briefwechsel der beiden Komponisten widerspiegelt. Zu Schebalins bekanntesten Schülern zählen Tichon Chrennikow, Boris Tschaikowski, Arno Babadschanjan und Edison Denissow. Wissarion Schebalin wurde zweimal mit dem Stalinpreis geehrt.
Anders als man vor dem Hintergrund der engen Freundschaft zu Schostakowitsch geneigt wäre zu vermuten, gibt es zwischen Schebalins Kompositionsweise und der seines Freunde nur wenig Gemeinsamkeiten. Deutlich wahrnehmbar ist dagegen die tiefe Beeinflussung durch seinen Lehrer Mjaskowski. Kennzeichnend ist dabei eine stark von Chromatik gefärbte Melodik. Der kompositorische Schwerpunkt liegt weniger in der Schaffung deutlich konturierter musikalischer Themen als in der meisterhaften Entwicklung des Materials. Trotz der bisweilen scharf dissonanten Harmonik (wobei Atonalität konsequent vermieden wird) hat seine Musik mit ihrer farbigen Instrumentation und ausgeprägten Motorik oft eine ausgesprochen effektvolle Wirkung. Schebalin hinterließ Werke aller Gattungen - namentlich seine fünf Sinfonien werden noch heute vielfach aufgeführt.

Elegie
[Russische Klaviermusik Band II SIK 2210, Nr. 59, S. 125]

Pastorale
[Russische Klaviermusik Band II SIK 2210, Nr. 61, S. 130]